Lesung

reboot: Cally Spooner – Dead Time
Vortrag und Gespräch

Freitag, 19. November 2021
18 Uhr

Kölnischer Kunstverein, Hahnenstraße 6

Cally Spooners Lecture on Stagnation, gelesen von Will Holder …für alleinerziehende Mütter, 2021 gefolgt von einem Gespräch zu Dead Time zwischen Cally Spooner und Hendrik Folkerts.

Seit 2007 veröffentlicht Will Holder mündlich Werke, die von Personen verfasst wurden, die nicht alle oder keine Aspekte seines weißen, männlichen, heterosexuell sprechenden Körpers teilen. Die Präsenz dieser Diskrepanzen soll DAS hervorheben, was unsere Körper gemeinsam haben und kollektiv durchmachen, anstatt nur über das zu sprechen, was uns normativ trennt. Im Mittelpunkt dieser Reihe von Veröffentlichungen steht Alice Notleys Doctor Williams’ Heiresses (1980) und der ausdrückliche Wunsch der Dichterin, eine weibliche Sprechstimme innerhalb männlicher Versmaße herzustellen. Etwas mit diesem Bewusstsein in Notleys Lyrik Vergleichbares versucht Will Holder in seiner Lesung von Cally Spooners Lecture on Stagnation.

Die Lesung leitet über zu Cally Spooners fortlaufendem Projekt Dead Time. In den kommenden drei Jahren wird Dead Time in regelmäßigen Abständen von Will Holder veröffentlicht werden, um die Hypothese zu testen, „tote Zeit“ sei ein Ereignis, das chrononormativ-inaktiv ist und daher das Potenzial hat, Leben wiederherzustellen.

Gespräch zu Dead Time zwischen Cally Spooner und Hendrik Folkerts

Dead Time (2018) ist eine 63-seitige Performance-Partitur. Sie wurde von Cally Spooner in einem techno-temporalen Performance-Klima komponiert, einem Tatort, an dem es immer schwieriger wird, zu unterscheiden, was lebendig und was tot ist. Seit 2018 übersetzt Spooner Dead Time schrittweise in eine Reihe von Werken, die unter verschiedenen Bedingungen koexistieren können und in eine Oper integriert werden könnten. Im Kölnischen Kunstverein diskutieren Folkerts und Spooner den gegenwärtigen Zustand von Dead Time und vermeiden zukunftsorientierte Spekulationen und chronologische Reminiszenzen. Begleitet werden sie von Melody Giron am Cello. Sie wird sich dem Gespräch aus New York anschließen, um das aktuelle Werk von Dead Time vorzustellen.

Der Typograf Will Holder stellt Bücher her und veröffentlicht die Arbeiten anderer sowohl in mündlicher als auch in gedruckter Form. Er möchte die Aufmerksamkeit auf eine fortlaufende, geteilte Autorenschaft von Bedeutung lenken, die in den Lücken zwischen Körpern, ihrer Sprache und der gedruckten Seite entsteht. Seit 2007 ist Holder Herausgeber von F.R.DAVID, einer Zeitschrift, die sich mit Lesen, Schreiben und Typografie beschäftigt: mit der Organisation und Reproduktion von Sprache, herausgegeben von uh books, Brüssel.

Hendrik Folkerts kuratierte zahlreiche Einzel- und internationale Gruppenausstellungen sowie Sammlungspräsentationen, neue Auftragsarbeiten und öffentliche Programme, die im erweiterten Feld von Performance verankert sind und auf feministischen, queeren und anti-kolonialen Kunstgeschichten basieren. Er ist Kurator am Moderna Museet Stockholm. Zuvor war er als Dittmer Curator of Modern and Contemporary Art am Art Institute of Chicago (seit 2017 – 2021), Kurator der documenta 14, Kassel/Athen (2014 – 2017), Kurator für Performance, Film und diskursive Programme am Stedelijk Museum, Amsterdam (2010 – 2015) und als Koordinator des kuratorischen Programms am Kunstzentrum De Appel, Amsterdam (2009 – 2011) tätig. Er schreibt für Kunstzeitschriften und -magazine sowie für Ausstellungskataloge und Künstlermonografien.

Cally Spooners künstlerische Praxis, die stark auf ihrer philosophischen Ausbildung fußt, entsteht durch Schreiben, entfaltet sich als Performance und wird schließlich zu Film, Sound, Skulptur, Zeichnung oder Partitur. Ihre Performances nutzen Konzepte wie Dauer und Probe als Akte des Widerstands gegen technologische, zeitliche und performative Klimata, in denen es schwer ist, zwischen Lebendigem und Totem zu unterscheiden.

Dead Time ist eine Koproduktion von reboot: responsiveness; O-Overgaden, Kopenhagen; Le Centre Pompidou, Paris.

Dead Time wird unterstützt…
… Organisatorisch und praktisch von Rhea Dall von O-Overgaden, Kopenhagen.
Wissenschaftlich von der Königlich Dänischen Kunstakademie und der Universität Kopenhagen.
Finanziell von der Novo Nordisk Foundation, Hellerup.

reboot: responsiveness
Der Kölnische Kunstverein und der Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, Düsseldorf präsentieren gemeinsam reboot: – ein kollaborativer, zyklischer, antirassistischer und queer-feministischer Dialog zwischen performativen und forschungsbasierten Praktiken.

Der erste Zyklus, reboot: responsiveness, geht von den Sehnsüchten, Ängsten und Hoffnungen aus, die durch die aktuelle Pandemie verstärkt werden. An zwei unterschiedlichen, jedoch miteinander verbundenen Orten, die sich gegenseitig unterstützen, ergänzen und herausfordern, bietet reboot: responsiveness Infrastrukturen für provisorische Inszenierungen, Proben, prozesshafte Choreografien und Begegnungen rund um Themen wie Präsenz, Intimität, Fürsorge und Verantwortung. reboot: responsiveness entwickelt Aktivitäten gemeinsam mit einem Kernkollektiv bestehend aus Alex Baczynski-Jenkins, Gürsoy Doğtaş, Klara Lidén, Ewa Majewska, Rory Pilgrim, Cally Spooner und Mariana Valencia. Mittels verschiedener Formate und gemeinsam mit weiteren eingeladenen Gästen und dem Publikum in Köln und Düsseldorf werden diese Künstler:innen und Denker:innen Wege ergründen, einander Zeit zu widmen und zeitgemäß mit Zeit zu performen, alternative Vokabulare, Archive, Gesten, Bewegungen und Übersetzungen zu entwickeln, Ressourcen und Ideen zu teilen und weiterzugeben, und Modi des Widerstands und des Miteinanders als Antwort auf die aktuelle Situation, in der wir leben, zu finden.

reboot:
Konzipiert von Eva Birkenstock, Nikola Dietrich und Viktor Neumann
Kernkollektiv: Alex Baczynski-Jenkins, Gürsoy Doğtaş, Klara Lidén, Ewa Majewska, Rory Pilgrim, Cally Spooner und Mariana Valencia
Graphikdesign von Sean Yendrys

http://reboot-responsiveness.com/de/

reboot: responsiveness wird unterstützt von
Kunststiftung NRW
Stiftung Kunstfonds
Neustart Kultur