Another Eye

Another Eye: Arisa Purkpong mit Claudia von Alemann
Screening und Gespräch

Donnerstag, 9. Juni 2022
19 Uhr

Die Künstlerin Arisa Purkpong hat ausgehend von ihren fortlaufenden Recherchen zum Ersten Internationalen Frauenfilmseminar zwei Filme ausgewählt, die sie im Rahmen von Another Eye präsentiert: In Claudia von Alemanns Die Reise nach Lyon (1981) reist die Protagonistin Elisabeth in die gleichnamige Stadt, um die (audio-visuelle) Lebenswirklichkeit der Sozialistin und Frauenrechtlerin Flora Tristan (1803–1844) entgegen ihrer patriarchalen Historisierung neu zu rekonstruieren. Elisabeth erlebt die Stadt – ihre visuelle und auditive Textur – durch Tristans Tagebuchaufzeichnungen und lernt sie anhand ihrer eigenen fragmentarischen Forschungen verstehen.

The Woman’s Film (1971), ein Jahrzehnt früher erschienen, dokumentiert die Anfänge der Frauenbewegung in den USA. Unterschiedlichste Frauen*, die als Gemeinschaft zusammenkommen, erzählen von ihren Rollen als Ehefrauen*, Hausfrauen*, Arbeiter*innen und ihren persönlichen Erfahrungen mit Diskriminierung, Rassismus und toxischen Beziehungen. Von dem feministischen Filmemacher*innen-Kollektiv San Francisco Newsreel produziert, gibt dieser Film einen Einblick in den weiblichen Alltag der Zeit, der auch fünfzig Jahre später noch immer Aktualität besitzt. The Woman’s Film war zudem einer von 45 Filmen, den Claudia von Alemann und Helke Sander 1973 beim Ersten Internationalen Frauenfilmseminar zeigten. Das Seminar gilt heute als das weltweit erste internationale Festival mit Filmen von und über Frauen*. Die beteiligten Filmemacher*innen und Künstler*innen kritisierten die Rollen- bzw. Frauenbilder in der patriarchalen Kultur des konventionellen Kinos und den allmächtigen „männlichen Blick“. Darüber hinaus ging es um eine Kritik der Lebensbedingungen arbeitender Frauen* überhaupt – das Seminar wollte insbesondere auf die strukturelle Benachteiligung von Frauen* aufmerksam machen und setzte sich für die Verbesserung der politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse ein.

Arisa Purkpong (*1995) studiert an der Kunstakademie Düsseldorf bei Trisha Donnelly und Christopher Williams. In diesem Kontext konzipierte sie ausgehend von ihren Recherchen zum Ersten Internationalen Frauenfilmseminar ein Screening, das im Februar 2020 im Rahmen des Filmprogramms Klasse Williams im Düsseldorfer Kino Black Box gezeigt wurde. Arisa Purkpongs Arbeiten wurden bisher u. a. bei Gruppenausstellungen in der Sammlung Philara (2021), dem Projektraum Baustelle Schaustelle – Raum für junge Kunst (2020) und im KIT – Kunst im Tunnel (2019) gezeigt.

Another Eye ist eine neue Programmreihe des Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, Düsseldorf für Film, Video und begleitende Gesprächsformate. Konzipiert als eine Weiterentwicklung des Schaufensterformats (2008-2017) und der Elbow Room-Serie (2019-2021), die jüngeren Künstler*innen erste institutionelle Präsentationen im Kunstverein ermöglichten, widmet sich Another Eye Praktiken in Film, Video und Animation. Mit viermal jährlich stattfindenden Veranstaltungen im Foyer des Kunstvereins und weiteren Orten in der Stadt gibt die Reihe jungen Künstler*innen Raum, um neue Arbeiten und laufende Rechercheprozesse zu präsentieren. Mit Another Eye soll ein kollektiver Rahmen entstehen, um unterschiedliche filmische Praktiken und Diskurse zu verhandeln und neue Präsentationsformate für Film und Kino zu erproben. Damit wird kontinuierlich die Frage nach der Bedeutung von künstlerischem Bewegtbild in einer Zeit des „Post-Cinema“ gestellt, in der sich die Distributions-, Produktions- und Konsumbedingungen von Film und Video radikal verändert haben. Der Titel nimmt Bezug auf die Fensterfront des Kunstvereins, die eine weite, fast panoptische Sicht auf den Grabbeplatz freigibt. Die Idee eines riesigen architektonischen Auges, das Blicke zwischen Innen und Außen verhandelt, überträgt sich auf die Film-Leinwand, die diese temporär durch andere Blicke ersetzt. Für Another Eye entwickelte Mira Mann (lebt in Düsseldorf) ein neues Display-System, Picturing Eyelid (2022), das ähnlich wie Jalousien, Blenden oder Schutzschilder den Gedanken von Abschirmung aufgreift, dabei aber mit partieller Durchlässigkeit und Reflektion spielt. Der so entstehende temporäre Raum grenzt ab und schützt, öffnet sich aber gleichzeitig fiktionalen Räumen.

Für jeweils zwei Wochen nach der Veranstaltung werden die gezeigten Filme und Recherchematerialien im Foyer des Kunstvereins präsent bleiben und für alle interessierten Besucher*innen zugänglich sein.

Another Eye wird kuratiert von Kathrin Bentele und Gesa Hüwe.

Die zweite Ausgabe von Another Eye findet im Rahmen von düsseldorf photo+ statt.

Another Eye wird gefördert durch
Gingko Stiftung

Bild: ©bpk / Abisag Tüllmann