(number of) weeks later
fifteen weeks later: Rachel Ashton
Screening
Donnerstag, 20. November 2025
19 Uhr
Subjektivitäten in den Vordergrund stellend dokumentiert Rachel Ashton die vielfältigen Biografien und Gemeinschaften, kollektiven Erinnerungen und persönlichen Traumata, die an einem bestimmten Ort beherbergt werden. Dieser Prozess der Übersetzung der Lebenserfahrungen von Menschen durch das Filmemachen berücksichtigt stets die Position der Künstlerin selbst, ebenso wie die Beziehungen zwischen Kamera und Subjekt sowie zwischen Film und Betrachter:in. Im Rahmen von fifteen weeks later werden zwei Filme von Rachel Ashton gezeigt, die sich mit sozialen Beziehungen und Rollen befassen. Die Werke zeichnen sich durch eine Überlagerung von realen und fiktiven Lebensgeschichten und verschiedenen zeitlichen Perspektiven aus, die von nostalgischen Erinnerungen bis zu möglichen Zukunftsvisionen reichen.
Living Too Late (2022) wurde in der kleinen walisischen Küstenstadt Borth gedreht. Der Film begleitet Ted und Graham, zwei alte Freunde und Bandkollegen, die vor allem durch ihre geteilte Begeisterung für Punkmusik verbunden sind. Auf ehrliche und intime Weise dokumentiert er die Träume, die angesichts harter Realitäten Halt geben, sowie andere Versuche der Bewältigung, die sich jedoch als flüchtig oder sogar destruktiv erweisen können. Über die Verbindung der beiden Männer hinaus reflektiert das Werk die komplexe Beziehung zwischen Menschen und ihrer Umwelt, hier insbesondere dem lokalen Torfmoor, das als natürlicher Kohlenstoffspeicher dient und gleichzeitig durch den Anstieg des Meeresspiegels bedroht ist. Diese Landschaft bildet den Hintergrund für die Nahaufnahme einer unkonventionellen Freundschaft.
Crossing the Bar (2025) ist ein filmisches Porträt der Baßgeige in Braunschweig, einer der ältesten Jazzbars Deutschlands. Im Mittelpunkt des Films steht eine einmalige Aufführung von Tennessee Williams’ The Glass Menagerie aus dem Jahr 1944, die das mit Gegenständen und Anekdoten gefüllte Interieur der Bar in eine Bühne verwandelt. Die Künstlerin und die Stammgäste verkörpern die verschiedenen Charaktere des Stücks, deren Persönlichkeiten, Leben und zwischenmenschliche Dynamiken möglicherweise ihre eigenen widerspiegeln. Im Stück, in der Bar und im Film fließen mehrere Ebenen von Realität und Fiktion, Erinnerung und Nostalgie ineinander. Durch diesen ständigen Wechsel zwischen Beobachtung und Performance fängt der Film die emotionalen Landschaften und sozialen Beziehungen innerhalb dieser Räume zwischenmenschlicher Interaktion ein. Es ist insofern nicht nur ein Porträt eines Ortes, sondern auch der Menschen, die ihn bewohnen und prägen.
Rachel Ashton (geb. 1995 in Worcester, Großbritannien) ist Künstlerin und Filmemacherin. Sie studierte an der Hochschule für Bildende Künste–Städelschule in Frankfurt am Main, der Hochschule für Bildende Künste Hamburg und am Goldsmiths College der University of London. Sie lebt und arbeitet in Berlin.
Die Filme enthalten Dialoge in englischer Sprache und werden mit englischen Untertiteln gezeigt.
Organisiert von Clara Maria Blasius
(number of) weeks later wird unterstützt von The Gingko Foundation.
Abbildung: Rachel Ashton, Crossing the Bar, 2025, Filmstill.