Gespräch
Memory Acts for a Learning Space
Vortragsgespräch mit Maximiliane Baumgartner, der ehemaligen Klasse Baumgartner an der Kunstakademie Düsseldorf und Wolfgang Brauneis, Kunsthistoriker
Sonntag, 7. Juni 2026
16 Uhr
Am Sonntag, 7. Juni 2026, um 16 Uhr findet im Kunstverein ein Vortragsgespräch statt. Die Künstlerin Maximiliane Baumgartner, Studierende der ehemaligen Klasse Baumgartner an der Kunstakademie Düsseldorf und der Kunsthistoriker Wolfgang Brauneis sprechen über das gemeinsame Klassenprojekt Memory Acts for a Learning Space (2025), das auf Feld- und Archivrecherchen basiert.
Ausgangspunkt von Memory Acts for a Learning Space bildete ein gemeinsamer Rundgang (Stadtspaziergang) und Field-Research mit dem Kunsthistoriker Wolfgang Brauneis, Kurator der Ausstellung „Die Liste der ‚Gottbegnadeten‘. Künstler des Nationalsozialismus in der Bundesrepublik“ im Deutschen Historischen Museum in Berlin. Anhand der Frage, wie Künstler des NS nach 1945 am Beispiel Düsseldorfs große öffentliche Aufträge erhielten, entstand eine künstlerische Visualisierung des Rundgangs und der daran anschließenden Archivrecherchen in Form eines Mappings und kritischer Kommentierungen einzelner Stationen. Darin soll die wechselseitige Beziehung zwischen Erinnern und Verstehen aufgezeigt werden. Die Arbeiten von Künstlern der 1944 im Auftrag von Adolf Hitler und Joseph Goebbels erstellten „Gottbegnadeten-Liste“ prägen bis heute das Gesicht vieler Innenstädte – dies beinhaltet, wie in Düsseldorf, Arbeiten aus dem NS und der Bundesrepublik. Getragen von der öffentlichen Zustimmung und weiter funktionierenden Netzwerken gewannen sie auch nach 1945 Wettbewerbe und erhielten Aufträge für Kunst am Bau, zur Gestaltung von Foyers und Plätzen, Museen und Mahnmalen.
Der Rundgang führt unter anderem zu Arbeiten von Arno Breker, Hans Breker, Georg Kolbe und Willy Meller sowie zu Gebäuden, die von Architekten der ehemaligen „Gottbegnadeten-Liste“ wie z. B. Helmut Hentrich oder Julius Schulte-Frohlinde nach 1945 gebaut wurden. Gerade in Düsseldorf lassen sich die Kontinuitäten der Kollaborationen zwischen bildenden Künstlern und Architekten im NS und in der Nachkriegszeit eindrücklich aufzeigen. Im Rahmen der künstlerischen Forschung wurden auch Künstler:innen wie Julo Levin oder Franz Monjau berücksichtigt – hier exemplarisch im Umfeld der Kunstakademie –, die während der NS-Zeit verfemt, verfolgt und ermordet wurden. Im Gegensatz zu den Künstler:innen der sogenannten Gottbegnadeten-Liste, haben diese nach 1945 ungleiche Aufmerksamkeit erfahren: Ihre Werke und somit auch ihr Bildbegriff nehmen heute wenig Sichtbarkeit im öffentlichen Raum ein. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage nach einem kritischen Bildwissen und einer kritischen Bildproduktion sowie nach einer künstlerischen Praxis, die einen Beitrag zu kunstwissenschaftlichen Diskursen leisten kann.
Der Vortrag findet im Rahmen von Baumgartners Einzelausstellung im Kunstverein Düsseldorf statt. Es ist eine Kollaboration mit der Klasse Newton der Kunstakademie Düsseldorf anlässlich der Ausstellung 100 Jahre Klasse Bühnenbild an der Kunstakademie Düsseldorf, die vom 17. April bis 14. Juni 2026 in der Akademie-Galerie zu sehen ist.
Die an der Veranstaltung beteiligten Studierenden sind: Max Graf, Katharina Janz, Aylin Ismihan Kabakcı, Lucien Liebecke, Vitus Lux, Lily Mertens, Anja Panzer, Ziran Pei, Antonia Gretchen Prinz, Paula Slomke, Lea Weeber und Lea-Sue Zorlu. In Memory Acts for a Learning Space waren außerdem involviert: Jan Gottwald, David Hartig, Filiz Huz, Marie Koch, Liam Lutz, Juliana Paek, Tanja Pohl, Flora Seidl, Gabriela Tudor, Amelie Uliczka, VIN und Marcus Wagner.
Das Vortragsgespräch findet in deutscher Sprache statt.
Abbildung: Memory Acts for a Learning Space, Klasse Baumgartner in Kollaboration mit Wolfgang Brauneis, Kunstakademie Düsseldorf, Winterrundgang 2024/25, Foto: Kai Werner Schmidt