Another Eye

Another Eye: Mira Mann

Donnerstag, 24. März 2022

Another Eye ist eine neue Programmreihe für zeitgenössischen Film, Video und begleitende Gesprächsformate. Konzipiert als eine Weiterentwicklung des Schaufensterformats (2008-2017) und der Elbow Room Serie (2019-2021), die jüngeren Künstler*innen erste institutionelle Präsentationen im Kunstverein ermöglichten, widmet sich Another Eye Praktiken in Film, Video und Animation. Mit viermal jährlich stattfindenden Veranstaltungen im Foyer des Kunstvereins und weiteren Orten in der Stadt gibt die Reihe jungen Film- und Videoschaffenden Raum, um neue Arbeiten und laufende Rechercheprozesse zu präsentieren. Nach einer Zeit der sozialen Isolation soll mit Another Eye ein kollektiver Rahmen entstehen, um unterschiedliche filmische Praktiken und Diskurse zu verhandeln und neue Präsentationsformate für Film und Kino zu erproben. Damit wird kontinuierlich die Frage nach der Bedeutung von künstlerischem Bewegtbild in einer Zeit des „Post-Cinema“ gestellt, in der sich die Distributions-, Produktions- und Konsumbedingungen von Film und Video radikal verändert haben. Der Titel nimmt Bezug auf die Fensterfront des Kunstvereins, die eine weite, fast panoptische Sicht auf den Grabbeplatz und umgekehrt freigibt. Die Idee eines riesigen architektonischen Auges, das Blicke zwischen Innen und Außen verhandelt, überträgt sich auf die Film-Leinwand, die diese temporär durch andere Blicke ersetzt. Für Another Eye entwickelt Mira Mann (lebt in Düsseldorf) ein neues Display-System, das ähnlich wie Jalousien, Blenden oder Schutzschilder den Gedanken von Abschirmung aufgreift, dabei aber mit partieller Durchlässigkeit und Reflektion spielt. Der so entstehende temporäre Raum grenzt ab und schützt, öffnet sich aber gleichzeitig fiktionalen Räumen.

Mit der silbernen, reflektierenden Oberfläche ist Picturing Eyelid (2022) bereits vom Grabbeplatz aus sichtbar. Insgesamt neun, formal an Jalousien oder Fensterläden erinnernde Module verschließen die Sicht auf die sonst so gut erkennbaren Leuchtstoffröhren an der Decke des Kunstvereins. Bei Ankunft im Foyer ist es dunkel geworden, der Blick nach Außen bleibt versagt, dafür werden die Sinne sensibilisiert. Ausgehend von persönlichen Erinnerungen, Eindrücken und Gedanken zu Architektur, Anime und Film hat Mira Mann ein hybrides, ortsspezifisches Displaysystem entwickelt. Für die Programmreihe Another Eye wird es viermal jährlich einen konzentrierten und gemeinschaftlichen (Schutz-)Raum für die Präsentation und kollektive Verhandlung von Filmen, Videoarbeiten und Rechercheprozessen schaffen. Durch gezielte, formale Brüche in der Produktion wird der hybride Charakter von Picturing Eyelid unterstrichen und steht in Kontrast zu industriell gefertigten Modularsystemen. Statt ein robustes Material zu wählen, hat Mira Mann die fast vier Meter hohen Rahmen sowie die lamellenförmige Struktur aus Pappkarton produziert. Dadurch wird der Widerstandsfähigkeit, die der Funktion von herkömmlichen Fensterläden eingeschrieben ist, eine besondere Fragilität entgegengesetzt. Der Pappkarton könnte – sofern außen installiert – trotz des einseitig angebrachten Silbertapes den Witterungsverhältnissen nicht standhalten. Zwar bleibt der Blick nach Außen (und Innen) verwehrt, dennoch wird er nicht vollkommen versperrt. Vielmehr lässt die partielle Durchlässigkeit der Lamellen die Grenzen von Außen und Innen, Licht und Dunkel verschwimmen.

Mira Mann (*1993, lebt in Düsseldorf) studierte an der Kunstakademie Düsseldorf bei Dominique Gonzalez-Foerster. Ihre Performances und Installationen wurden in Gruppen- und Einzelausstellungen wie u. a. bei Urbane Künste Ruhr/ Dortmunder Kunstverein, im Lantz´schen Skulpturenpark (beide 2021) und in der Simultanhalle Köln (2020) gezeigt.