Monika Baer
Obwohl wir uns allmählich daran gewöhnen, dass die Malerei ein halbseidenes Geschäft ist, jagt uns kaum ein anderes (Bild-)Medium mit solcher Regelmäßigkeit ins Bockshorn. Oft und aus heutiger Sicht reichlich vermessen als ‚Königsdisziplin’ der Kunst gehandelt, ist die Malerei zuallererst ein Handwerk. Als solches zur höchsten Kunst gebracht, kann sie darüber alles Handwerkliche vergessen machen. Gerne jedoch stilisiert sie sich damit zum an und für sich begehrenswerten Fetisch. Malerei macht heute zwar nicht mehr der Drahtseilakt zwischen Virtuosität und Scheitern brisant: ein alter Konflikt, woraus jedes Gemälde immer noch seinen Nutzen zieht. Wichtiger ist, dass sie sich zum historisch wie aktuell konfigurierten ‚Dispositiv’ auswuchs. Was das heißt, könnte uns z. B. die Malerei von Monika Baer zeigen.
An ihrer Praxis als Malerin wirkt – sehr bewusst – die Geschichte der Malerei mit. Und in gleicher Weise wirkt die unmittelbare Gegenwart (der Produktion, des Lebens und nicht zuletzt der Laune) in jedes ihrer Bilder. Zu malen heißt für Baer, Malerei nicht etwa aufs Technische zu reduzieren, sie als (Bild-)Medium zu benutzen. Vielmehr stellt sie sich mit jedem Bild die Malerei als Gegenstand und Thema her. Oft sehen ihre Bilder zwar so aus, als drehten sie mit Absicht sogar noch Extrapirouetten auf dem Drahtseil zwischen Könnerschaft und Absturz. Was uns da aber teils bestechend virtuos, teils mutwillig bad gemacht unter die Augen tritt, es analysiert nicht nur sondern definiert konsequent neu, wie Baer ihren Spielraum des Malerischen versteht.
In ihrer Jahresgabe unternimmt die Teilnehmerin der 12. Documenta (2007) ein extrem gewagtes Manöver und stellt damit eine Kernfrage der Repräsentation: Mit Referenz an Lucio Fontanas berühmte „concetti spaziali“ imaginiert Baer mit den Mitteln der Malerei den Blick aus dem Bild heraus. Baer hat wiederholt die facies als Gesicht und Oberfläche von Bildern als Bildthema bearbeitet: Leinwände perforiert, genäht, die Objektstruktur, den Keilrahmen bloßgelegt. In den acht Unikaten ihrer neuen „slit scene“-Serie – jedes für sich ein ausgewachsenes, individuell verfertigtes Gemälde – fällt Baer ihrer bisherigen Methode buchstäblich in den Rücken. Denn nicht was jenseits der Bilder, hinter ihrer gemalten Oberfläche liegt, interessiert sie dabei – sondern was passiert, wenn der Schlitz im Bild das derart bloß gelegte Jenseits dahinter ins Reale der Malerei zurückzerrt. So gnadenlos real wird das imaginäre Versprechen, wie wir es uns von Bildern erhoffen, selten. Und als exklusive Malereiserie sind die „slit scenes“ für das Jahresgabenprogramm 2011/12 ohnehin ein Geschenk!
