Proxy – Der Bürger als Pflanze

Aktuelle Ausstellung

Proxy – Der Bürger als Pflanze
Maximiliane Baumgartner

bis

Eröffnung: Freitag, 22. Mai 2026, 18–22 Uhr

Künstlerische Kommentierung im öffentlichen Raum:
20. Juni – 23. August 2026
Nordpark Eingang
Kaiserswerther Straße / Edith-Stein-Weg, 40474 Düsseldorf

Maximiliane Baumgartners Einzelausstellung Proxy – Der Bürger als Pflanze umfasst drei miteinander verbundene Kapitel. Ausgangspunkt ist die langjährige Beschäftigung der Künstlerin mit räumlichen Kontexten und deren sozialen, politischen und historischen Implikationen vor dem Hintergrund postnazistischer Strukturen. Durch exemplarische Betrachtungen untersucht sie den Umgang mit NS-Strukturen und legt offen, in welchem Maße Stadtplanung und Architektur auch lange nach 1945 ideologische und propagandistische Fragmente weitertragen.

Durch die Verknüpfung verschiedener zeitlicher und räumlicher Dimensionen werden in der Ausstellung übergeordnete Zusammenhänge greifbar gemacht. In allen gezeigten Werkgruppen formulieren sich Fragen nach der Sichtbarkeit beziehungsweise Nicht-Sichtbarkeit widerständiger Bildpraxen und den Möglichkeiten einer machtkritischen Auseinandersetzung mit Bildern und Räumen. Das erste Kapitel zeigt Arbeiten aus Baumgartners Beschäftigung mit dem historischen Hof-Atelier Elvira und der Feme-Ausstellung „Entartete Kunst“, die 1937 in den heutigen Räumen des Kunstverein München stattfand. Das zweite Kapitel umfasst Arbeiten um die Malerin Dore Meyer-Vax, die in der Nachkriegszeit im historisch besonders aufgeladenen Nürnberg tätig war. In den beiden Werkreihen von 2021 und 2024 stehen (queer-)feministische Praxen im Vordergrund, die sich den propagandistischen Raum- und Bildpolitiken des NS zu verschiedenen Zeiten und an unterschiedlichen Orten widerständig zeigten und den öffentlichen Raum gezielt besetzten.

Das dritte Kapitel richtet den Blick auf den Düsseldorfer Nordpark, der 1937 im Zuge der NS-Propaganda-Ausstellung „Große Reichsausstellung Schaffendes Volk“ entstanden ist. Dem Bau ging die gewaltvolle Räumung des Heinefelds voraus, infolgedessen zahlreiche Bewohner:innen, insbesondere Rom:nja und Sinti:zze, deportiert und ermordet wurden. Zum Gesamtareal zählen neben dem Nordpark unter anderem der Bereich des bereits 1931 errichteten „Schlageter-Nationaldenkmals“, die ehemalige NS-Mustersiedlung „Schlagetersiedlung” (heute bekannt als Golzheimer Siedlung oder auch „Weiße Siedlung“) sowie das angrenzende „39er-Denkmal“. Der Nordpark, dessen Strukturen in großen Teilen erhalten sind, steht seit 1986 unter Denkmalschutz. Bis heute wird seine Geschichte vor Ort jedoch kaum kritisch kommentiert oder weiterführend kontextualisiert. Baumgartners anlässlich der Ausstellung entstandenen Arbeiten nehmen insbesondere die städtischen Versuche der „Demokratisierung“ des Nordparks nach 1945 in den Blick und stellen Fragen nach dem damaligen wie heutigen Umgang mit diesem öffentlichen Ort und seiner Geschichte. Was wird erhalten und gepflegt? Was wird bewusst verdrängt oder vergessen und nach dem Ende des NS-Regimes nicht in den Erinnerungsraum zurückgeholt?

Der Ausstellungstitel, Proxy, basiert auf dem englischen Wort für Stellvertreter:in. Der Begriff bezeichnet jemanden oder etwas, der, die oder das für andere handelt oder zwischen zwei Instanzen vermittelt, und wirft hier Fragen nach Handlungsmacht, Verantwortung und Repräsentation auf. Im Ausstellungsraum verteilte Pflanzen agieren als Stellvertreterinnen für die Betrachter:innen und reflektieren aktive und passive Formen des Sehens. Wie wirken sich ideologisch und propagandistisch gestaltete Räume als „Erlebnisräume“ auf unser Sehverhalten aus? Und wie prägen Pflanzen als lebende Materie die Wahrnehmung und Aneignung dieser „rechten Räume“? Der Untertitel Der Bürger als Pflanze unterstreicht das Verhältnis zwischen Personen und Pflanzen zusätzlich. „Der Bürger“ [sic] verweist auf die extrem autoritären, patriarchalen Strukturen des Nationalsozialismus und deren Fortwirken, steht aber zugleich stellvertretend für die Gesamtheit an Bürger:innen. In Bezug auf den Nordpark werden durch die Analogie die immerwährende Verlebendigung und Themen wie Erhalt und (Denkmal-)Pflege angesprochen. Zugleich zeigen sich darin nicht-aufgearbeitete Kontinuitäten: Damals wie heute tragen Menschen und Pflanzen gleichermaßen dazu bei, ein Narrativ von „Unschuld“ zu reproduzieren und den Park mehr als Erholungsort denn als kritischen Erinnerungs- und Lernraum zu etablieren.

Zusätzlich zur Ausstellung im Kunstverein setzt Baumgartner eine künstlerische Kommentierung vor Ort um: Am Eingang des Nordparks wird ein von ihr bespieltes Bauschild platziert, das an die sogenannte Mahnmalachse hin zum Düsseldorfer Nordfriedhof anschließt. Dadurch wird auf die Ausmaße des Areals, die verschiedenen Zeitschichten sowie bis in die Gegenwart wirksame Zusammenhänge verwiesen. Baumgartners Arbeiten reflektieren das NS-Areal als Ganzes, um die propagandistischen Strukturen und ihr Fortwirken nachvollziehen zu können, und machen die vermeintlich unpolitische öffentliche Grünanlage als ideologisch geprägten Raum erfahrbar.

Maximiliane Baumgartner wurde eingeladen von Kathrin Bentele.
Die Ausstellung wird kuratiert von Clara Maria Blasius.

Künstlerisches Mapping mit Archivmaterialien zum Nordpark-Gelände

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Die Ausstellung wird gefördert durch die Karin und Uwe Hollweg Stiftung, das Kulturamt der Landeshauptstadt Düsseldorf, die Kunst- und Kulturstiftung der Stadtsparkasse Düsseldorf und die Galerie Max Mayer, Berlin. Der Kunstverein wird unterstützt durch die Landeshauptstadt Düsseldorf und de Haen-Carstanjen & Söhne. Die Stadtwerke Düsseldorf sind ständiger Partner des Kunstvereins.