Gentle Collapse

2020

Gentle Collapse
Franca Scholz

In Videoarbeiten, Stoffobjekten, Installationen und Performances beschäftigt sich Franca Scholz mit der Performativität von Sprache und der Verfasstheit von Körpern im digitalen Zeitalter. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund ihrer gegenwärtigen materiellen, diskursiven, pharmazeutischen und sozioökonomischen Bedingtheiten kommen bei ihr Sprache und Gestik als elementare Bestandteile ihrer Herangehensweise zum Einsatz. Franca Scholz kombiniert, fragmentiert und fügt selbst verfasste Texte mit Zitaten feministischer Literatur neu zusammen, die sich als gesprochene und geschriebene Worte in ihren Objekten, Videoarbeiten und Performances wiederfinden. Seit 2015 arbeitet sie neben ihrer individuellen Praxis auch in Kollaborationen mit anderen Künstler*innen, Performer*innen und Tänzer*innen.

Für Physical Education III entwirft Franca Scholz mit Gentle Collapse eine neue Performance, die aus textuellen Stoffcollagen, Bewegungen, Sound und Stimme besteht und Wirkungsweisen sowie Erscheinungsformen von Sprache im Verhältnis zu Fragen um Körperpolitiken und Sexualität reflektiert. In Zusammenarbeit mit den Tänzer*innen Kelvin Kilonzo und Sophia Seiss sowie den Künstler*innen Phaidonas Gialis und Christi Knak Tschaikowskaja entstehen abwechselnde Bilder von Körpern in ruhenden oder sich erschöpfenden Posen. Die Performer*innen rennen, entladen ihre Körper, isolieren sich, ergreifen das Wort, schweigen, blicken einander an oder schauen weg. Dabei fühlen sie sich immer wieder dazu aufgefordert, zueinander in neue Spannungs- und Machtverhältnisse zu treten. Die in Gentle Collapse auftretenden Stoffarbeiten sind mit eigenen oder vorgefundenen Worten und Satzfragmenten bestickt und handeln von routinierten Körperpraktiken, sexuellen Handlungen oder beschreiben Emotionen unterschiedlicher Erzähler*innen, die ähnlich einer Gedankenblase oder einer Fantasie lineare Narrative aufbrechen, sodass das Foyer des Kunstvereins vorübergehend von einer mehrstimmigen Collage eingenommen wird. Indem die Stoffobjekte wie Kleidungsstücke von den Performer*innen getragen und abgelegt werden können, funktionieren sie als körperbezogene Werkzeuge für die Artikulation und Befragung von Formen der Selbst- und Fremdkonstitution.

Bei Elbow Room handelt es sich um eine performative Fortsetzung des ehemaligen Schaufensterformats, mit dem der Kunstverein jüngeren Künstler*innen erste Ausstellungs- und Präsentationsmöglichkeiten bot. Elbow Room öffnet in regelmäßigen Abständen temporäre, physisch variable Zwischenräume für die Erprobung und Verhandlung unterschiedlicher Aufführungsformate. So werden die Treppe am Eingang, das Foyer des Kunstvereins mit seiner Bar und dem Panoramafenster, Teile des Ausstellungsraums oder auch der Salon des Amateurs und die benachbarte städtische Umgebung zu Orten für Physical Education (engl. für Leibesübungen, Sportunterricht). Inspiriert von der Idee, den Körper und seine Organe jenseits normativer Zuschreibungen bedeutungsflexibel und dezentriert zu denken, spielt der Ellbogen im Titel auf die Möglichkeit an, mit dem eigenen Körper Handlungs- und Aufführungsräume zu produzieren.
Der Ellbogen wird in diesem Sinne zum Auslöser von Dehn- und Leibesübungen zur Erschaffung von Spielräumen; Spielräumen, die übertragen auf den Kunstverein vorläufige Einblicke in Recherchen und entstehende Projekte ebenso wie temporäre Bühnen für abgeschlossene Arbeiten liefern. Elbow Room, Physical Education III, die dritte Ausgabe der von Eva Birkenstock initiierten Reihe, entstand in enger Zusammenarbeit von Gesa Hüwe und Victoria Tarak.

Konzept und Gestaltung: Franca Scholz. Choreographie: Sophia Seiss
Performance: Phaidonas Gialis, Kelvin Kilonzo, Sophia Seiss, Christi Knak Tschaikowskaja
Textilobjekte: Franca Scholz

Elbow Room wird gefördert durch
Gingko Foundation

Gentle Collapse, Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, Düsseldorf (2020)
Franca Scholz — Gentle Collapse, Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, Düsseldorf (2020), Foto: Katja Illner
Gentle Collapse, Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, Düsseldorf (2020), Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, Düsseldorf (2020)
Franca Scholz — Gentle Collapse, Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, Düsseldorf (2020), Foto: Katja Illner
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Franca Scholz — Gentle Collapse, Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, Düsseldorf (2020), Foto: Katja Illner
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Franca Scholz — Gentle Collapse, Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, Düsseldorf (2020), Foto: Katja Illner
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Franca Scholz — Gentle Collapse, Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, Düsseldorf (2020), Foto: Katja Illner