Boiling Frogs

2018

Boiling Frogs
Kasia Fudakowski

bis

Ausgehend von der eigenen Rolle als Künstlerin entwickelt Kasia Fudakowski (*1985 in London) konzeptuelle Ausstellungsprojekte, um Ungleichheiten, Stereotype und die Absurditäten gesellschaftlicher Normen mit selbst auferlegten Regelwerken und raumgreifenden Installationen vor- und ad absurdum zu führen. Sei es mit dem Ausstellungszyklus Fraustellungen, der 2015 mit der selbstironischen Aufbauperformance Sexistinnen – Excercises in Self-Sabotage (Übungen in Selbstzerstörung) mit ihrer Galeristin auf der Art Basel seinen Abschluss fand. Oder mit Double Standards – A Sexhibition (2017), welche die Besucher*innen vor die Wahl stellte, eine von zwei Eingangstüren zu benutzen: In Reaktion auf das Referendum in Großbritannien, bei dem Bürger*innen „Ja“ oder „Nein“ wählen mussten, ohne ausführliche Informationen über die Konsequenzen ihrer Entscheidung zu erhalten, waren die Besucher*innen in Berlin aufgefordert, nur einen Teil der Ausstellung – den linken oder den rechten – zu sehen, ohne zu wissen, was sie jeweils erwartet.

Boiling Frogs, Kasia Fudakowskis Einzelausstellung im Kunstverein, thematisiert die komödiantischen Potenziale und die tragischen Beschränkungen, die mit Anpassungsmechanismen in Verbindung stehen. Diese eigentlich große Stärke der Menschheit, ihr Adaptionsvermögen, wirkt im Hinblick auf die titelgebende Parabel wie ein Indiz für ihren Untergang: Beschrieben wird ein Experiment, bei dem die Anpassungsfähigkeit von Fröschen sie daran hindert, die tödliche Gefahr einer allmählich ansteigenden Wassertemperatur im Kochtopf zu erkennen, um rechtzeitig herauszuspringen.

Mit Continuouslessness (seit 2017), einer überdimensionalen Paravent-Skulptur, die sich schlangenförmig im Ausstellungsraum ausbreitet, löst Fudakowski diesen Gegensatz zwischen Potenzial und Limitierung zugunsten einer Gleichzeitigkeit von Kontinuität und Nichtkontinuität auf: Auch wenn die einzelnen Elemente der Arbeit so gestaltet sein müssen, dass sie sich verbinden lassen (um stehen und kontinuierlich wachsen zu können), liefert Continuouslessness gleichzeitig unbegrenzten Freiraum für den vielfältigen Einsatz von Materialien, Formen und Ideen.

Word Count (seit 2016) wiederum beschreibt ein fiktives apokalyptisches Szenario, das in geloopten, slapstickartigen Filmfragmenten einen Zusammenhang zwischen der Ressourcenknappheit der Erde und dem Übermaß an Informationsaustausch aufwirft. In sich wiederholenden Szenen dürfen Menschen in Anlehnung an John Cages 4’33“ täglich nur 433 Worte sprechen. Während sich die Pärchen im Film zwanghaft bemühen, mit begrenzten Worten auszukommen, verweigert sich der anarchische Professor der Anpassung und steht damit letztlich seinem eigenen Untergang gegenüber.

Durch das Arbeiten mit absurden Grenzen offenbart Boiling Frogs die tragisch-komische Verfasstheit von übersteigerten Anpassungsmechanismen.

Die Ausstellung wird gefördert durch
Fürstenberg Zeitgenössisch, Donaueschingen; Aquamon Bettenwelt, Koblenz

Boiling Frogs, Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, Düsseldorf (2018)
Kasia Fudakowski — Boiling Frogs, Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, Düsseldorf (2018), Foto: Katja Illner
Boiling Frogs, Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, Düsseldorf (2018), Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, Düsseldorf (2018)
Kasia Fudakowski — Boiling Frogs, Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, Düsseldorf (2018), Foto: Katja Illner
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Kasia Fudakowski — Boiling Frogs, Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, Düsseldorf (2018), Foto: Katja Illner
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Kasia Fudakowski — Boiling Frogs, Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, Düsseldorf (2018), Foto: Katja Illner
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Kasia Fudakowski — Boiling Frogs, Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, Düsseldorf (2018), Foto: Katja Illner